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Die 5 Phasen der Trauer

Elisabeth Kübler-Ross: „Die 5 Phasen der Trauer“

Wenn ich mir die Gesamtheit der Gespräche mit meinen Klientinnen anschaue, dann wird doch deutlich, dass „Die 5 Phasen der Trauer“ auch in der Kinderwunsch-Zeit einen gewichtigen Platz einnehmen. Nicht jede Frau durchläuft zwingend jede Phase, weil der Wunsch sich irgendwo auf diesem Weg erfüllt. Das ist schön und ich wünsche es Euch allen. Und doch kennen viele von uns die schmerzvollen Stufen, die uns – je länger die Reise dauert – tiefer und tiefer in die Kinderwunsch-Welt führen.

1. Verdrängung

„Das kann doch gar nicht sein!“, denken wir uns, wenn gefühlt alle um uns herum einfach so schwanger werden, nur bei uns will es Monat für Monat nicht klappen… „Meine Gynäkologin malt bestimmt den Teufel an die Wand. Wieso sollte ich denn jetzt in die Kinderwunsch-Klinik gehen? Tsss….“. „Ich bin jung, gesund, ernähre mich gut, treibe Sport, habe keine Erkrankungen… Es gibt keinen Grund, warum es bei uns nicht klappen sollte“.

Wir lesen uns das erste Mal ein in die Möglichkeiten der Fertilitätsmedizin und entscheiden nicht selten: „Brauche ich nicht, das klappt schon noch. Ich muss einfach nur entspannen, regelmäßig Sex haben und nicht dran denken.“

Die Bemühungen werden immer anstrengender, die Zeit vergeht, die Periode kommt, die Tränen fließen, die Gedanken fangen an, sich zu drehen und der Kopf wird zum Schnellkochtopf, dessen Druck immer höher wird und nicht abgelassen wird… bis er schließlich explodiert.

2. Wut

Wir sind stinksauer, dass ausgerechnet wir Endometriose, ein schlechtes Spermiogramm, Hashimoto, undurchlässige Eileiter, einen niedrigen AMH-Wert oder sonstige störende Diagnosen haben. Vielleicht wird aber auch nichts gefunden! Das kann für manche genauso schlimm sein wie für andere die Diagnose, weil es die Ohnmacht so richtig schön zur Geltung bringt. „Ich kann nicht mal was tun, weil es scheinbar keine Störung gibt! Die Ärzte müssen irgendwas übersehen haben!“.

Wir sagen Treffen mit Freunden ab, weil uns negative Gefühle wie Wut und Neid im Wege stehen und wir nicht in Tränen ausbrechen oder „die Arme“ sein wollen. Wenn wir Frauen sehen, die mit Zigarette in der Hand einen Kinderwagen schieben, könnten wir platzen. Wer uns zum falschen Zeitpunkt unerwünschte Ratschläge gibt (nicht selten der Partner/die Partnerin), kann mit einem gewaltigen Rundumschlag rechnen und die Stimmung ist dahin.

Und irgendwann kommt der Punkt, da sind wir erschöpft von Wut und Trauer. Wir kommen ins Tun und machen einen Plan.

3. Verhandlung

WENN… ich meinen Zyklus minutiös überwache, Sex genau nach Plan habe, meine Fruchtbarkeit und die meines Partners durch Nahrungsergänzungsmittel optimiere, Yoga mache, 8 Stunden schlafe, jeden Tag eine Stunde an die frische Luft gehe, mir regelmäßig Fruchtbarkeitsmassagen gönne, meine Gesundheit mit einer App tracke, keinen Alkohol mehr trinke, jeden Tag gedünsteten Fisch mit Gemüse esse, alle meine Cremes auf Giftstoffe hin überprüfe, nicht mehr ins Flugzeug steige, meine Arbeitsstunden reduziere, mein Pferd lieber Spazieren führe statt zu reiten, keinen Zucker mehr zu mir nehme, kein Gluten, keine Fruktose und für alle Fälle auch mal keine Laktose und dafür jeden Tag 3 Tassen Teemischung vom Heilpraktiker trinke, … DANN hat es zu klappen.

ODER… dann bist Du fix und fertig, meine Liebe.

Sollten alle Bemühungen bis hier hin noch nicht „gefruchtet“ (im wahrsten Sinne des Wortes) haben, beginnt spätestens jetzt die Behandlung in der Kinderwunschklinik. Wir treten ein paar Schritte zurück, die Hoffnung keimt auf, dass durch die medizinischen Behandlungen die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit signifikant erhöht wird und wir jetzt dann sowieso bald am Ziel sind.

Bei sehr vielen klappt das auch. Doch nicht bei allen und so kommt es, wie es kommen muss… Wir verlieren wieder den Mut, die Wut kommt zurück, die Traurigkeit wächst und uns gehen langsam die Motivationssprüche aus, mit denen wir uns bisher doch irgendwie auf Kurs halten konnten. Auch dem Partner fällt nichts mehr ein und so sitzt man abends beisammen, schaut sich an und fragt sich: „Und jetzt?“

4. Verzweiflung

Jetzt beginnt eine harte Zeit, die uns gleichzeitig wahnsinnig viel fürs Leben bringen kann. In der Phase der Verzweiflung wird uns bewusst, dass es ist, wie es ist. Wir gehören nicht zu denen, die ganz leicht schwanger werden und/oder bleiben. Auch wenn die Medizin heute Unglaubliches vollbringen kann, die Natur hat ihre Hände mit im Spiel und oft das letzte Wort. Wir haben viel Geld in diverse Untersuchungen und Behandlungen gesteckt und dabei (so gut wie) nichts gewonnen. Das Leben ist auf „Hold“ gestellt, dabei bräuchten wir ganz dringend etwas Schönes. Wir möchten Lachen und so unbeschwert sein können wie früher mal. Vor unserem Kinderwunsch. Die Partnerschaft hat Höhen und Tiefen durchlebt, mit denen wir am Tag unserer Zusammenkunft nie gerechnet hätten. Manche sind näher zusammen gerückt, manche auseinander geraten.

Wir setzen uns mit dem Ist-Zustand unseres Lebens auseinander. Was haben wir? Was brauchen wir? Was machen wir jetzt mit diesem Wissen?

Manchmal schafft man es alleine oder mit guten Freunden, manchmal holt man sich externe Hilfe dazu, um auch der Seele wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken und neue Kraft schöpfen zu können. Wir informieren uns nach Alternativen. Adoption? Ein Pflegekind? Eine Kinderwunsch-Behandlung im Ausland? Welches Leben zu zweit könnte uns gefallen?

Schön langsam vollzieht sich der Übergang zur Phase 5, der Akzeptanz. Bei manchen geht es schneller, bei anderen langsamer. Doch es ist wie das Gras, das auch nicht schneller wächst, nur weil wir daran ziehen. Es braucht einfach seine Zeit und das ist in Ordnung so.

5. Akzeptanz

Diese Phase hat für alle eine ganz eigene Bedeutung. Manche stehen jetzt an dem Punkt, an dem sie akzeptieren, dass sie ohne IVF/ICSI quasi keine Chancen haben, schwanger zu werden. Sie steigen in ein neues Level ein und der Kreislauf geht weiter.

Andere sind konfrontiert mit der Tatsache, dass sich der Kinderwunsch per se mit allergrößter Wahrscheinlichkeit gar nicht realisieren lässt und es nun heißt, Abschied zu nehmen. Abschied vom bisherigen Lebensentwurf, hinein in eine neue Welt, die so nie geplant war.

Tatsachen zu akzeptieren heißt aber auch, dass Schaffenskraft und Kreativität wieder mehr Raum bekommen. Wenn der ursprüngliche Plan nicht Realität wird, was ist dann der neue? Wie fülle ich mein Leben so, dass es mir gefällt? Wer gehört dazu und wer hat weniger oder keinen Platz mehr? Nehme ich mir ganz bewusst eine berufliche Auszeit, statt auf die „Elternzeit-Pause“ zu hoffen? Gibt es Träume aus der Jugend, die nun die Chance auf Erfüllung haben könnten? Es sind so viele Fragen zu beantworten und es gehört viel Mut dazu, auf sich zu schauen und die Norm auch mal zu verlassen. Egal, was die anderen sagen, jetzt geht es nur um uns.

Was will ich? Was ist mir das wert? Wie komme ich da hin? Wozu waren viele – nicht alle, soviel ist sicher – Erfahrungen der letzten Jahre vielleicht gut, auf die ich nun aufbauen kann? Was mache ich jetzt damit?

Ich bin mir sicher…

… Du bist eine starke Frau und hast keine Angst, auch mal um drei Ecken zu denken. Du hast viele tolle Eigenschaften und Ressourcen, die Dich im Leben weiter bringen und es Dir schön machen können. Auch wenn es manchmal anders läuft als geplant, kann das Ziel, das Dich erwartet, ganz wunderschön sein. Das weißt Du aber nur, wenn Du Dich auf den Weg einlässt.

Du musst das nicht alleine machen. Es gibt viele Menschen in ganz ähnlichen Situationen, sie schreien es nur nicht 24/7 laut in der Gegend herum. Aber sie sind da und heißen Dich willkommen, wann immer Du so weit bist. Vielleicht sehen wir uns ja mal (wieder).

Alles Liebe, 

Deine Stefanie 


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